Mit den steigenden Benzinpreisen kommt auch die Debatte über das Tempolimit auf den deutschen Autobahnen wieder auf. Was würde ein Tempolimit überhaupt bringen und welche Gründe sprechen dagegen?

Aktuelle Daten

Nach Jahren der Diskussion entdecken die Deutschen langsam das Tempolimit für sich. Eine aktuelle Umfrage der Allianz Direct aus dem Jahr 2021 geht davon aus, dass 71 Prozent der Bevölkerung ein Tempolimit auf den Autobahnen befürworten. Zudem kommt der Versicherer zu dem Schluss, dass vor allem Vielfahrer sich gegen ein Tempolimit aussprechen: 56 Prozent derjenigen, die mehr als 50.000 Kilometer im Jahr fahren, lehnen die Begrenzung ab.

Die steigenden Spritpreise, ausgelöst durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg, lassen die Debatte erneut entfachen. Ein Aufkommen eines Tempolimits würde dafür sorgen, dass Sprit eingespart wird. Gerade Schnellfahrer verbrauchen überdurchschnittlich viel Benzin. Deshalb wird über ein begrenztes Tempolimit für einige Monate diskutiert, bis die Benzinpreise wieder sinken.

Ebenfalls für Schlagzeilen sorgt aktuell das Gegenargument von Volker Wissing. Der FDP-Politiker sieht Problematiken in der Umsetzung und geht davon aus, dass das Tempolimit wegen Schildermangel nicht umsetzbar ist. Von einem generellen Tempolimit, auch ohne Schilder, halte er nichts. Dieses Argument wirkt auf viele etwas absurd, da viele Nachbarländer eine Begrenzung ohne Schilder eingeführt haben.

Mehr Klimaschutz durch Tempolimit

Im Oktober 2019 wurde im Bundestag nach einem Antrag der Grünen über ein Tempolimit abgestimmt, welches von der Mehrheit abgelehnt wurde. Auch Armin Laschet blieb der CDU treu und gab an, dass ein Tempolimit kaum Auswirkungen auf das Klima hätte. Das Umweltbundesamt veröffentlichte im Jahr darauf eine Studie, die seiner Aussage widerspricht. Sie zeigte, dass ein Tempolimit positive Auswirkungen auf das Klima hätte: Mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h könnten jährlich rund 1,9 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Ein Tempolimit von 120 km/h würde den Ausstoß bereits um 2,6 Millionen Tonnen reduzieren.

Im Jahr 2019 produzierte der Verkehr 166 Millionen Tonnen CO2. Das Klimaschutzgesetz sieht eine Reduzierung auf 139 Millionen Tonnen CO2 vor. Bei einer Reduktion um 27 Millionen Tonnen, würde ein Tempolimit auf 120 km/h also bereits eine Einsparung von rund 10 Prozent ermöglichen.  Selbst der ADAC weicht von der langjährigen Haltung gegen ein Tempolimit ab.

Gründe von Gegnern

Vor allem die Autolobby wehrt sich gegen ein grundlegendes Tempolimit. Trotzdem stellen sich bereits Firmen wie BWM und Daimler auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung ein. VW-Chef Herbert Diess gab gegenüber dem Handelsblatt an, er sei noch immer gegen ein solches Gesetz. Trotzdem zeigt sich deutlich, dass die Autobauer ihre Geschäftsinteressen nicht mehr gefährdet sehen. Die Autos werden weltweit verkauft, auch zu großen Teilen in Länder, die bereits ein Tempolimit haben. Autokonzerne konzentrieren sich zunehmend auf die Wende in der E-Mobilität.

Ein weiteres oft genanntes Argument ist die Einschränkung der persönlichen Freiheit. Der Staat sollte nicht eingreifen, wenn die Geschwindigkeit nicht durch Hindernisse wie steile Berge beschränkt werden muss. Klar ist aber, dass die Klimawende nicht ohne Einschränkungen in bestimmten Bereichen funktionieren kann.

Die Gesetzesgeber müssen Verantwortung übernehmen und langfristig denken, um spätere massive Einschränkungen zu verhindern. Die Einführung eines Tempolimits bleibt eine sinnvolle Maßnahme, wenn Politiker keine ähnlich effektiven Alternativen vorweisen können.

 

 

Danke an geralt von Pixabay für das Foto.

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