Telegram,Threema oder Signal statt WhatsApp: Wir brauchen eine Messenger-Revolution

Wenn wir von Messenger-Diensten reden, denkt ein Großteil von uns an WhatsApp oder den Facebook Messenger. WhatsApp ist zwar prinzipiell Ende zu Ende verschlüsselt, aber der Ruf Facebooks als Datenkrake lässt berechtigte Zweifel aufkommen. Lasst uns einen Blick darauf werfen, ob wir nicht doch als Kollektiv den Übergang zu Alternativen dringend in Erwägung ziehen sollten.

Facebook ließ sich die Messaging-Plattform im Jahr 2014 einiges kosten. Viele fragten sich damals, warum ein Unternehmen wie Facebook 19 Milliarden US-Dollar in die Hand nimmt, um ein Unternehmen wie WhatsApp zu akquirieren, das absolut keine Möglichkeit hatte, Geld zu verdienen. So befürchten Datenschützer, dass WhatsApp womöglich wie Facebook Daten sammelt.

Was solltest Du also tun?

Es gibt ein paar gute und sichere Alternativen zu WhatsApp und dem Facebook Messenger. Du solltest Dir meiner Meinung nach drei konkrete Anbieter ansehen: Telegram, Threema und Signal. Klar, es wird kein leichtes Unterfangen sein, die Dominanz von WhatsApp zu brechen. Dafür ist WhatsApp schon fast zu alltäglich geworden. Hierfür im Familien- und Bekanntenkreis die nötige Überzeugungskraft aufzubringen, ist eine richtige Herkulesaufgabe. Es ist sicherlich nicht einfach, Eure Eltern und betagten Verwandten für die Messenger-„Revolution“ zu begeistern oder ihnen mühsam nochmals die Bedienung einer neuen App zu erklären. Aber es lohnt sich.

Telegram

Telegram ist der größte Konkurrent von WhatsApp. Die APIs und das Protokoll sind Open Source. Der Kern, die serverseitigen Dienste, sind es leider nicht. Dies könnte möglicherweise ein Problem für den Datenschutz darstellen.

Aber erst einmal das Grundlegende: Telegram hat Apps für fast alle Geräte; Android, iOS, Web, Windows Phone, Mac, PC und sogar Linux. Es ist also egal, welches Gerät oder welche Desktop-Umgebung verwendet wird. Die Nachrichten bei Telegram sind mehr oder weniger Ende-zu-Ende verschlüsselt (dazu gleich aber noch mehr Details). Eine Funktion, die Telegram von anderen Instant-Messaging-Diensten abhebt, ist die Möglichkeit, eine Datei von bis zu 1,5 GB zu teilen. Ein anderer Vorteil von Telegram ist die Anzahl von Mitgliedern, die in eine Gruppe eintreten dürfen. Telegram lässt mehr als 100.000 Personen in einer einzigen Gruppe zu. Außerdem steht Dir eine Funktion zur Verfügung, mit der Du bestimmte Nachrichten so konfigurieren kannst, dass sie sich nach einem bestimmten Zeitintervall selbst löschen.

Eines muss allerdings gesagt werden: Telegram bietet eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung –  ja, korrekt. Es sollte an dieser Stelle trotzdem erwähnt werden, dass dies nicht standardmäßig und für alle Nachrichten der Fall ist. Es gibt bei Telegram etwas, das sich „Secret Chat“ nennt. Wenn Du Deinen Chat oder Dein Gespräch nicht in diesem Modus beginnst, sind Deine Nachrichten nicht vollständig verschlüsselt.

Ein weiterer bedenkenswerter Punkt ist, dass die Backend-Dienste von Telegram nicht Open Source sind. Wir können also nicht wirklich sagen, was mit unseren Nachrichten passiert, sobald sie die Server von Telegram erreichen. Aber: Um 100%ig sicher zu sein, müsstest Du jede Zeile des Quellcodes in allen Clients und Diensten dieser Instant-Messaging-Dienste durchgehen, den Quellcode herunterladen, ihn selbst kompilieren und bauen und diese ausführbaren Dateien auf Deinen Geräten verwenden. Und derzeit haben wir keinen Grund, Telegram diesbezüglich etwas anzuhängen. Was wir jedoch tatsächlich tun können, ist, die Geschäftsbedingungen, FAQs und andere Literatur dieser Dienste durchzugehen und eine informierte Entscheidung zu treffen, welchen Dienst wir nutzen sollten.

Threema

Eine weitere Option ist Threema, eine ebenfalls Ende-zu-Ende verschlüsselte Mobile Messaging App. Im Gegensatz zu vielen anderen sicheren Apps musst Du bei dieser App keine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer eingeben, um ein Konto zu erstellen. Dies ermöglicht, den Dienst mit einem sehr hohen Maß an Anonymität zu nutzen, was ihn zum vielleicht privatesten Messenger überhaupt macht.

Was können wir mit diesem anonymen Dienst tun? Text- und Sprachnachrichten? Ja, natürlich. Sprach- und Videoanrufe? Kein Problem. Dateiübertragungen? Ja, die auch. Und all das geschieht Ende-zu-Ende-verschlüsselt für ausgezeichnete Sicherheit. Kontakte und Nachrichten werden auf den Geräten der Benutzer gespeichert statt auf dem Server. Dein digitaler Fußabdruck ist also so klein wie möglich. Ebenso befinden sich Deine Zugangsschlüssel auf den Geräten und nicht auf den zentralen Servern. Selbst wenn jemand irgendwie Zugriff auf alle Daten auf den Servern erhalten würde, hätte er nur wenig Nutzen davon. Threema ist sicherheitstechnisch wohl das beste, was der Messenger-Markt hervorgebracht hat. Allerdings hat es ein riesiges Manko: Threema ist kostenpflichtig und deshalb vielleicht nicht massentauglich.

Signal

Signal ist eine komplett quelloffene, kostenlose, sichere und private Instant-Messaging-Plattform. Signal ist verfügbar für Apps auf Android, iOS und auch auf dem Desktop. Wie jeder andere moderne Instant-Messaging-Dienst unterstützt Signal Text, Bilder, Videos, Sprach- und Videoanrufe sowie Dokumente. Und es unterstützt Gruppen-Messaging. Das Wichtigste dabei: Es gibt eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Text- und Sprachnachrichten. Weder Signal noch jemand Drittes kann sehen, was in den Nachrichten steht.

Ähnlich wie bei Telegram gibt es auch Nachrichten, die sich nach einer bestimmten Zeit selbst zerstören. Eine weitere großartige Funktion ist der sogenannte Bildschirmschutz. Mit diesem kannst Du in Deinem Datenschutzeinstellungen die Bildschirmsicherheit aktivieren, die im Wesentlichen andere Apps auf Deinem Telefon daran hindert, Screenshots von Chats auf Signal zu machen.

Jedes Mal, wenn über Signal ein Anruf gestartet wird, passiert hinter der Bühne ein cooler Zauber. Die beiden Telefone sprechen miteinander und entwickeln einen geheimen Code, den niemand sonst kennen kann, selbst wenn er den Internetverkehr überwacht und alle ausgetauschten Nachrichten abfängt. Die Apps wandeln diesen Geheimcode dann in zwei Wörter um. Diese beiden Wörter werden auf den Displays der beiden Telefone angezeigt. Du und Dein Gesprächspartner könnt Euch diese beiden Wörter gegenseitig sagen und sicherstellen, dass sie gleich sind. Wenn nicht, dann ist etwas mit der Verschlüsselung nicht in Ordnung. Du brichst den Anruf ab und wechselst zu einem anderen Internet-Netzwerk und versuchst es erneut.

Ein weiterer Pluspunkt: Signal verspricht, dass es keine Werbung geben wird – zumindest im Moment. In absehbarer Zeit wird das bei Signal aber wohl nicht passieren, da es sich um ein Open-Source-Projekt handelt. Ein Open-Source-Projekt mit Werbung zu monetarisieren, ist relativ schwierig.

Hauptsache kein WhatsApp!

Facebook und WhatsApp können wir nicht vertrauen. Selbstverständlich könnten die besagten Anbieter zukünftig ähnlich agieren, aktuell haben wir aber keinen konkreten Grund zur Besorgnis. Auch wenn es vielleicht unrealistisch ist: Ich hoffe, dass wir als Gesellschaft bald einen neuen Konsens finden und uns vom WhatsApp-Status quo lossagen, indem wir den Aufbruch zu Alternativen wie Telegram, Threema oder Signal wagen.

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