Wenn es um Tierversuche geht, geraten die Interessen von Menschen und Tieren in Konflikt. Einerseits respektieren und lieben wir sie, andererseits müssen beispielsweise Medikamente langsam und vorsichtig getestet werden, bevor sie für den breiten Einsatz verkauft werden können. Die Forschung kommt ohne Versuche nur schleppend voran. Wie ethisch sind Tierversuche und gibt es Alternativen?

Tiere als Testobjekte im Labor

Die gute Nachricht ist, dass die Zahl der Versuchstiere deutlich zurückgeht. Im Jahr 2020 sank die Zahl der verwendeten Tiere im Labor um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eingesetzt wurden 1,9 Millionen Kopffüßer und Wirbeltiere. Für solche Tierarten sind inzwischen Genehmigungen erforderlich.

Es ist nicht zu unterschätzen, was Tiere im Labor erleiden mussten und teilweise noch müssen. Im Jahr 2001 wurden toxikologische Chemikalienprüfungen an 169.802 Tieren durchgeführt. Diese Verfahren dienen der Überprüfung der Giftigkeit von Chemikalien. Vorzugsweise wurden Mäuse, Ratten, Meerschweinchen und Kaninchen eingesetzt.

Um die Verdünnung von Wasser zu testen, wenn industrielle Abwässer in öffentliche Gewässer geleitet werden, wurden bis ins Jahr 2005 sogenannte Fischtests durchgeführt. Nach bestimmten Anzahlen von Stunden wurden die Mortalitätsraten der Tiere erfasst, damit anschließend die Gebühren für die Abwasserverursacher berechnet werden konnten.

Tierversuche werden von dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in Schweregrade unterteilt. Die Kategorisierung erfolgt von Grad 0 bis Grad 3, letzteres bezeichnet Versuche unter schwerer Belastung. Zwar ist der Anteil dieser Versuche prozentual am kleinsten, dennoch werden grausame Tests durchgeführt.

Zur Kategorie Grad 3 gehört beispielsweise die Verpflanzung von aggressiven Tumoren, um die Tumorentwicklung oder Gelenk- und Organtransplantation zu erforschen. Auch Tod durch Abstoßung von Transplantaten, Tod durch Vergiftung, Elektroschocks und Bestrahlungen werden dazu gezählt. Üblich sind Infektionen mit hohen Sterberaten, Wasser- oder Futterentzug, Dauerstress und Herzversagen.

Versuche mit niedrigen Graden sollten nicht unterschätzt werden, da Tiere schon bei schlechter Haltung leiden. Hunde bekommen kaum Auslauf, den Tieren fehlen Sozialkontakte und liebevolle Zuwendung.

Ethische Vertretbarkeit?

Tiere haben, genauso wie Menschen, ein ausgeprägtes Schmerzempfinden. Die Fähigkeit, beispielsweise nach Verletzungen akute Schmerzen zu empfinden, hat sich evolutionär durchgesetzt und dient als „Frühwarnsystem“. Auf diese Weise kann der Körper eine passende Reaktion auslösen. Wenn ein Bein verletzt wurde und ein Tier Schmerzen empfindet, wird es dieses Gelenk schonen und so weitere Schäden verhindern.

Nicht nur die Empfindung von Schmerzen haben Tiere mit dem Menschen gemeinsam. Auch Gefühle wie Angst, Stress, Erschöpfung und Panik werden intensiv ausgelebt. Selbst wenn wir nicht genau wissen, wie Tiere ihre Umwelt wahrnehmen, ist es unumstritten, dass sie bei der Durchführung von Tierversuchen leiden.

Britische Wissenschaftler hinterfragen die Nutzbarkeit von Tierversuchen. Dazu verfassten sie eine Studie, für die mehrere Tierversuche ausgewertet wurden. Das Ergebnis offenbarte teils erhebliche Mängel in der Durchführung. Zudem unterscheidet sich die Biologie mancher Lebewesen teilweise so stark von der des Menschen, dass eine Übertragbarkeit oft fragwürdig ist. Ein weiterer Fehler ist die geringe Anzahl der durchgeführten Experimente, sodass eine statistische Genauigkeit nicht garantiert werden kann.

Alternative Prüfverfahren

Für viele Verfahren gibt es tierfreie Methoden. Eine Problematik besteht in der Anerkennung neuer Versuche. Diese sind oft mit einem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Wenn Staaten ethisch vertretbare Versuche stärker fördern würden, könnten schneller Alternativen gefunden werden und bestehende staatlich anerkannt werden.

Zu den tierfreien Versuchen gehören beispielsweise Simulationen in Computermodellen. Im Jahr 2018 wurde beispielsweise eine Software für Toxizität-Tests entwickelt, die zuverlässige Ergebnisse liefert. Auch In-vitro-Verfahren benötigen keine Tiere als Versuchsobjekte. Dafür werden Gewebemodelle mit menschlichen Zellen verwendet. Sie können eingesetzt werden, um die Reaktion von einzelnen Organen zu testen. An unterschiedlichen Universitäten wurden Mini-Organe gezüchtet. An der Uni Duisburg-Essen beispielsweise konnten „Mini-brains“ entwickelt werden, an denen Wirkstoffe gegen Schlaganfälle getestet werden können.

Fehlende finanzielle Mittel dürfen kein plausibler Grund sein, das Leiden von Tieren zu rechtfertigen.

 

 

Danke an PublicDomainPictures von Pixabay für das Foto.

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