Es ist schwer einzuschätzen, wie realistisch Wladimir Putins Drohungen sind. Sicher ist eines: Der Einmarsch der Russen in die Ukraine am 24. Februar hat die Welt in Schrecken versetzt. Noch beängstigender für den Westen war die Erhöhung der Alarmstufe der russischen Atomstreitkräfte.

Abschreckung als Taktik

In Ansprachen drohte Putin indirekt mit der Nutzung nuklearer Waffen, sollten sich andere Länder militärisch in den Ukraine-Krieg einmischen.
Bereits im Jahr 2014, als die russische Invasion der Krim begann, drohte Putin mit dem Einsatz nuklearer Waffen. Im darauffolgenden Jahr bedrohte er dänische Kriegsschiffe, falls Dänemark dem NATO-Raketenabwehrsystem beitreten sollte.

Drohungen dieser Art sorgen dafür, dass Länder sich genau überlegen, ob eigene Soldaten oder Waffen gesendet werden. Diese Abschreckung soll einen Vergeltungsschlag gegenüber Russland verhindern. Damit versucht der russische Präsident nicht, sein eigenes Volk zu schützen. Stattdessen soll diese Taktik sicherstellen, dass er weitestgehend ungestört die eigenen Ziele in der Ukraine verfolgen kann, ohne globalen Widerstand befürchten zu müssen.

Taktische Atomwaffen

Diese Art der Atomwaffen zeichnet sich durch die verringerte Größe aus. Sie können präziser ausgerichtet werden und sind nicht im gleichen Maß destruktiv wie die stadtzerstörenden, großen Waffen. Die Androhung solcher Maßnahmen kann dadurch glaubwürdiger wirken.

Trotzdem sollten taktische Atomwaffen keinesfalls unterschätzt werden. Thermonukleare Explosionen besitzen eine unvorstellbare Zerstörungskraft. Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von 15 Kilotonnen. Selbst kleinere Sprengköpfe mit einer Sprengkraft von beispielsweise 0,3 Kilotonnen sind weit stärker als konventionelle Sprengstoffe.

Kritik an möglicher Flugverbotszone

In den letzten Tagen kam immer wieder die Frage über eine mögliche Flugverbotszone über der Ukraine auf. Schließlich entschied sich Amerika unter der Führung von Präsident Joe Biden dazu, keine Verbotszone einzurichten. Das ist langfristig die beste Entscheidung, um eine mögliche Eskalation zu verhindern. Eine Verbotszone könnte dazu führen, dass russische Flugzeuge abgeschossen würden und ein dritter Weltkrieg ausbrechen könnte.

Verlust der Glaubwürdigkeit in Teilen der eigenen Bevölkerung

Es wird immer deutlicher, dass sich auch Verzweiflung in den Äußerungen der russischen Führung breit macht. Die Bevölkerung in der Ukraine wehrt sich stark gegen den Einmarsch in ihr Land. Internationale Sanktionen machen der russischen Wirtschaft zu schaffen und sorgen für große Probleme bei wichtigen Firmen und Banken.

Langfristig scheint es unrealistisch, einen solchen Zustand aufrechterhalten zu können, ohne das Vertrauen in Teilen der eigenen Bevölkerung zu verlieren. Das zeigen die vielen mutigen Demonstranten, die sich gegen Putin stellen, wohl wissend, dass ihnen jahrelange Haft drohen könnte.

Nicht vertretbare Drohungen über den Einsatz von Nuklearwaffen

Seit 1945 wurden keine Atomwaffen mehr in Kriegen eingesetzt. Staats- und Regierungschefs stehen in der Pflicht, den Einsatz solcher Waffen für immer zu verhindern. Wichtig ist, dass sämtliche Regierungschefs ausdrücklich zeigen, dass solche Drohungen völlig inakzeptabel und verantwortungslos sind.

Die Taktik der nuklearen Abschreckung ist mit immensen Kosten und Risiken verbunden. Trotz der hohen Investitionen kann die Abschreckung scheitern und bietet kaum echten Schutz für die Bevölkerung.

Atomwaffen gehören auch zur Abschreckung der NATO. Ein weiterer Grund, der zeigt, weshalb es keine Option ist, russische Drohungen hinzunehmen. Wichtig sind wirtschaftliche Sanktionen, die Russland weiterhin belasten. Am Ende wird sich auch die Frage stellen, ob der Öl- und Gashandel nicht weiter zurückgefahren werden muss, um Putin dauerhaft Geld zu entziehen. Dies könnte den Druck erneut erhöhen und eine Aufrechterhaltung der momentanen Situation auf lange Sicht unmöglich machen, da eine Finanzierung des russischen Militärs nicht sichergestellt wäre.

 

 

Danke an DimitroSevastopol von Pixabay für das Foto.

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