Mit seinen Augen haben wir die Hölle gesehen. Italien erinnert sich an das 700. Todesjahr von Dante Alighieri.

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Er war italienischer Denker, Politiker, Dichter der Renaissance. Sein Geburtshaus steht in Florenz, wo er 1265 (im Mai oder Juni) in kaufmännischem Mittelstand geboren wurde.

Dort hat er Theologie, Philosophie und Dichtkunst studiert. Die Dichtkunst wurde damals auch als Wissenschaft angesehen. Mit neun Jahren hat sich Dante in Beatrice verliebt, die er später in seiner “Komödie” vergötterte.

Der 30-jährige Kommunalpolitiker Dante wird zum Mitglied des Stadtrats gewählt. In einem langen Machtkampf zwischen Kaiser und Papst bleibt der Dichter stets auf der Verliererseite: Er bemüht sich um Autonomie. 1302 wird Dante aus Florenz verbannt und zum Tode verurteilt. Er musste aus Florenz fliehen und hat nie mehr seine Heimatstadt gesehen. Sein Besitz wird konfisziert.

Das letzte Drittel seines Lebens  hat Dante in Ravenna verbracht. Hier hat er seine “Göttliche Komödie” geschrieben. Die abenteuerliche Reise ins Jenseits besteht aus 14000 Versen auf Italienisch. Man schrieb damals hauptsächlich auf Latein, weil die Sprache des Volkes als “vulgär” empfunden wurde. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich war Dantes Werk eine richtige Revolution in der Linguistik und in der Theologie.

Der im Wald verirrte Dante begegnet dem längst verstorbenen römischen Dichter Vergil, der dem Totenreich entstiegen war. Die beiden reisen durch die Unterwelt: Erst Hölle, dann Fegefeuer und schlussendlich geht es ins Paradies.

Die Hölle erscheint als ein riesiger Trichter, der bis zur Erdmitte reicht. Den ersten breiten Kreis besiedeln unschuldige kleine Kinder, die vor ihrer Taufe verstarben und gute Menschen aus anderen Religionen. Sie werden nicht gequält, sondern leiden an ewiger Traurigkeit.

Die nächsten Kreise werden immer enger; dort werden Sünder bestraft: Wollüstige, Gefräßige, Habgierige, Zornige und Faule, Häretiker, Mörder und Selbstmörder, Betrüger. Je tiefer der Kreis, desto schwerer die Strafe. Erstaunlich ist, dass nicht die Mörder laut Dante am härtesten bestraft werden, sondern Verräter. Sie werden nicht vom Feuer gequält, sondern sind bis zum Hals in ewiges Eis eingemauert. Unter ihnen sind Judas und Brutus. In allen Kreisen der Hölle finden die zwei Dichter auch alten Bekannte: Zeitgenossen, historische Personen, mythologische Gestalten.

15 Jahre hat Dante an seiner “Komödie” gearbeitet. Der Dichter und sein Hauptwerk sind in der ganzen Welt bekannt. Künstler verschiedener Nationen, Kunstarten und Zeiten lassen sich von Dantes Fantasien inspirieren.

Dante Alighieri bleibt noch heute aktuell. Die Stadt Florenz bereut es, den Dichter schnöde verstoßen zu haben. Ein Scheingrabmal mit der Schrift “Großer Sohn der Stadt” haben die Florentiner errichtet. Aber die Gebeine von Dante ruhen in Ravenna. Um den siebenhundertjährigen Streit zwischen den beiden Städten nicht schon wieder entflammen zu lassen, beschließt die italienische Regierung die Feierlichkeiten weder in Florenz noch in Ravenna zu eröffnen. Die bedeutendste Ausstellung des Dante-Jahres findet ab dem 1. April in der Stadt Forli statt, die sich zwischen Florenz und Ravenna befindet.

Uns allen bleibt aber die wunderschöne Gelegenheit die “Göttliche Komödie” noch einmal zu lesen.

Bild: Selbst zusammengeschnitten aus Quellen von Unsplash und Snappygoat

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