Kollektivismus und „Gerechtigkeit“ – warum Hayek richtig lag

2 min Lesezeit

Vor fast 80 Jahren veröffentlichte Friedrich August von Hayek einen polemischen Angriff auf das Konzept der zentralen Planung und des Kollektivismus – eine bis heute unnachahmliche Verteidigung liberaler Werte.

Das Motiv von „Der Weg zur Knechtschaft“ war es, darzulegen, wie sich die Trends der liberalen politischen Ordnung in Richtung Totalitarismus bewegen und die Prinzipien aufgeben, die die westliche Zivilisation wohlhabend und stark gemacht haben.

Hayeks Werke bleiben starke Plädoyers gegen zentrale Planung und sind eine für Etatisten schwer zu widerlegende Verteidigung der Prinzipien des Liberalismus im klassischen Sinne. Ich möchte erklären, warum ich mit Hayeks Philosophie und seinen Gedanken sympathisiere.

Die Österreichische Schule

Hayek war der bekannteste Verfechter dessen, was man heute als Österreichische Ökonomie bezeichnet. Er war das einzige bedeutende jüngere Mitglied der österreichischen Schule, das tatsächlich in Österreich geboren und aufgewachsen ist. Hayeks Wirtschaftslehre wurde von seinen Kollegen gleichermaßen gelobt und scharf angegriffen. Die österreichische Theorie betont die organisierende Kraft der Märkte. Hayek erklärte, dass Marktpreise Informationen widerspiegeln, deren Gesamtheit keinem einzelnen Individuum bekannt ist und die die Zuteilung von Ressourcen in einer Volkswirtschaft bestimmen.

Da in sozialistischen Systemen die individuellen Anreize und Preisfindungsprozesse fehlen, durch die Individuen auf der Grundlage ihrer persönlichen Informationen handeln, argumentierte Hayek, dass sozialistischen Wirtschaftsplanern das gesamte Wissen fehlt, das erforderlich ist, um optimale Entscheidungen zu treffen. Ökonomen haben sein Konzept von Preisen und Gewinnen als wesentliche Kommunikatoren kritischer Informationen bereitwillig übernommen. Sie signalisieren, wo knappe Ressourcen in der Wirtschaft zugewiesen werden sollten, und schaffen so „Ordnung ohne Befehl“.

Eine antike Warnung

Die allgemeine Botschaft von „Der Weg zur Knechtschaft“ ist, dass zentrale Planung und die Unterdrückung des wirtschaftlichen Liberalismus unweigerlich zu Totalitarismus führen. Die Prämisse ist vereinfachend, wenn nicht gar grob, aber die Idee der Planung und letztlich der erzwungenen Veränderung der Gesellschaft führt tendenziell zu Hayeks Schlussfolgerung.‌‌‌‌

Die Saat der zentralen Planung wurde durch die Französische Revolution hervorgebracht. Im Allgemeinen war das neunzehnte Jahrhundert der Nährboden für Philosophien, die die Gesellschaft radikal verändern wollten, wie der Marxsche Kommunismus, der Anarchismus und verschiedene andere utopische Philosophien. Was auch immer die Absichten dieser politischen Bewegungen waren, die ihnen zugrundeliegenden Ideen dienten oft als Werkzeug schwerer politischer Unterdrückung und schließlich einer tyrannischen Regierung, wie wir in der Schreckensherrschaft nach der Gründung der Ersten Republik sehen, die in der Militärdiktatur von Napoleon Bonaparte gipfelte, oder die bolschewistische Revolution, die zu einer der despotischsten Regierungen des zwanzigsten Jahrhunderts führte.

So sieht man einen gewaltigen Unterschied zwischen der Französischen und der Amerikanischen Revolution. Die Führer der Amerikanischen Revolution versuchten nicht, die Gesellschaft einer radikalen Vorstellung von Gleichheit und anderen abstrakten Prinzipien anzupassen, sondern sie suchten nach „historischen Präzedenzfällen“ für das zugrundeliegende Fundament ihres Gemeinwesens, wie die alten Griechen oder dem britischen parlamentarischen System. Die Franzosen hingegen wollten ihr Gemeinwesen auf abstrakte Prinzipien wie Liberté, égalité, fraternité gründen.

Der Rechtsstaat und das „Trugbild der sozialen Gerechtigkeit“

Im weiteren Verlauf seiner Karriere konzentrierte sich Hayek mehr auf die Rechts- und politische Philosophie und vernachlässigte sein Streben in der Ökonomie. Er zog eine feine Linie zwischen dem, was er als willkürliche Befugnisse von Regierungen ansah, und der Aufrechterhaltung der Rechtsstaatlichkeit.

Hayek hat die Argumentation für einen institutionellen Rahmen für die Freiheit vorangetrieben. In seinem anderen monumentalen Werk „Die Verfassung der Freiheit“ legte er das Rechts- und Verfassungssystem dar, das notwendig ist, um das empfindliche Gleichgewicht zwischen Freiheit und Recht in einer liberalen Gesellschaft herzustellen. Hayek lehnte eine zentrale Planung durch Technokraten ab und betonte die „spontane Ordnung“ und den Wohlstand, der von Individuen erzeugt wird, die ihr eigenes Fachwissen nutzen und ihre eigenen Interessen verfolgen. Er sieht die Rechtsstaatlichkeit im Wesentlichen als antithetisch zur Rawls’schen Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit und generell jede Gesetzgebung zur sozialen Gerechtigkeit als willkürlich an.‌‌‌‌ Interventionen, so Hayek, könnten nur auf den „Weg zur Knechtschaft“ führen. Als er Kapitel 10 des gleichnamigen Buches, „Warum die Schlechtesten an die Spitze kommen“, schrieb, hatte er Hitler, Stalin und Mussolini im Sinn.

Hayek hat jede Menge andere schlaue Gedanken formuliert. Den einzigen Vorwurf, den ich dem sonst so genialen Hayek mache, sind seine vielen Zugeständnisse gegenüber seiner Opposition. Zum Beispiel war er ja mit einem Wohlfahrtsstaat und anderen Umverteilungsprogrammen einverstanden.

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.