Heute möchte ich euch ein wenig über ein Unternehmen erzählen, in welches ich selbst investiert habe. Das Unternehmen hat vor allem von der Corona-Pandemie profitiert, ich hatte es aber schon deutlich früher auf dem Schirm. Auch ist die Popularität vom Unternehmen ist deutlich gestiegen, was ebenso mit den letzten Jahren zusammenhängt. Immer mehr Menschen haben durch Corona andere Beschäftigungen und Einnahmequellen gesucht, weshalb Etsy eine gute Anlaufstelle war. Dazu aber später mehr. Ich möchte explizit erwähnen, dass ich hier keine Kaufentscheidung für die Etsy Aktie aussprechen möchte und ich selbst im Unternehmen investiert bin! Dieser Artikel basiert ausschließlich auf meiner Meinung und ich bin kein kein Anlageberater!

Auf Etsy bin ich aufmerksam geworden, weil ich in meiner Twitter-Blase viele Cosplayer und Künstler verfolge, die über diese Plattform geschrieben und immer wieder vereinzelt erwähnt haben. Sie nutzen den Shop, um ihren Cosplay-Bedarf zu kaufen oder ihn wieder zu verkaufen. Ebenso lobten sie, dass es dort Accessoires zu kaufen gibt, die es sonst nirgends – nicht einmal in spezialisierten Cosplay-Shops – zu kaufen gibt.

Zu dieser Zeit habe ich meine Aktien kaum bewertet und habe sehr stark nach Gefühl gekauft und investiert, wenn ich das Produkt bzw. das Unternehmen dahinter selbst gut finde oder nutze. Ich habe mir dann schließlich das Unternehmen ein wenig angeschaut und direkt gemerkt, welche Zielgruppe dieses Unternehmen anzieht. Vor allem Frauen nutzen Etsy, weil Frauen meiner Meinung nach eine sehr starke Affinität zu handgemachten Produkte, die mit Liebe und eigener Kraft gefertigt werden, ist Etsy so beliebt.

Umweltbewusster Versand, humaner E-Commerce und Diversität – es war mir bewusst, dass diese Außendarstellung gut in der Internet-Künstler-Bubble gut ankommt. In Etsy habe ich investiert, als ich meine Investments noch deutlich oberflächlicher und emotionaler herangegangen bin. Mittlerweile investiere ich nach einem Schema und untersuche das Unternehmen nach einem gewissen Muster. Mein Investment in Etsy hat sich dennoch – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – ausgezahlt. Mein Einstiegskurs beträgt 107 Euro.

Quelle: Etsy

Das Geschäftsmodell von Etsy

Etsy ist ein Marktplatz und produziert keine eigenen Produkte. Menschen können auf Etsy einen eigenen Shop eröffnen, ihre Produkte anbieten und Etsy knüpft sich davon eine kleine Provision ab. Keine wirklich revolutionäre Geschäftsidee und solche Modelle gibt es bereits en masse, wenn man sich zum Beispiel Ebay oder Amazon FBA anschaut. Dennoch scheint Etsy etwas besser zu machen und gehört nicht ohne Grund zu den beliebtesten Online-Shops im Jahr 2020. Neben dem guten Marketing und dem einfachen Design der Seite ist es vor allem der Social-Aspekt den Etsy besser macht als seine Konkurrenz. Die Zukäufe in der Vergangenheit zeigen klar auf, welchen Weg Etsy geht und wie wichtig ein sozialer Marktplatz für die Menschen ist. Der Marktplatz für Handmade-Produkte schafft es nicht nur mehr Verkäufer auf die Plattform zu locken, sondern auch mehr Kunden, die gleichzeitig pro Jahr mehr und mehr einkaufen. Etsy bewegt sich in einem sehr großen Markt, der noch lange nicht gesättigt ist.

Der erste große Zukauf von Etsy den ich ansprechen möchte ist depop. Ein Marktplatz-Modell aus Großbritannien, wo User in erster Linie gebrauchte Klamotten anbieten können. Die App hat 21 Millionen Nutzer, von denen 90 Prozent unter 26 Jahre alt sind. Depop gehört zu den Top 10 der Shopping-Plattform dieser Altersgruppe. Es kristallisiert sich heraus, dass viele Modetrends aus dieser App entspringen und diese direkt einem breiten Publikum angeboten werden. Vor allem Influencer beziehen aus dieser App ihre Outfits und setzten diese als Trend in die Welt.

Ein weiterer Zukauf von Etsy ist Reverb, ein Onlinemarktplatz für gebrauchte Musikinstrumente. Die Seite hat 10 Millionen Nutzer und setzt auf den Aspekt einer Community, einem Miteinander, einem Austausch.

Das dritte Unternehmen im Konzern ist Elo7, das brasilianische Gegenstück von Etsy, was sich ebenso auf handgemachte Produkte spezialisiert und einen Marktplatz anbietet. Damit greift Etsy den südamerikanischen Markt an, der enorm viel Potenzial bietet. Was bei uns in der westlichen Gesellschaft bereits normal ist, etabliert sich erst jetzt langsam aber sicher auch im Rest der Welt. Menschen shoppen gerne online und Etsy sorgt dafür, dass sie Menschen eben vor allem auf ihren Plattformen einkaufen.

Quelle: Etsy

Bewertung der Etsy Aktie

Die Bewertung einer Aktie ist sehr wichtig, um das Risiko der Aktie besser abschätzen zu können. Dass ein Unternehmen Marketing beherrscht, steht außer Frage, doch ein Blick hinter diese Fassade zeigt, wie es um ein Unternehmen wirklich steht. Wie viele Schulden hat das Unternehmen, wie viele Aktien kauft das Unternehmen zurück, wer ist das Management? Alles wichtige Faktoren, die man berücksichtigen sollte, um erfolgreicher zu investieren. Dabei ist es auch wichtig, dass man sich klarmacht, dass das Zahlenwerk eines Unternehmens wie Etsy, welches sich in einer Wachstumsphase befindet, anders gedeutet werden muss, als ein Unternehmen, welches als sicheres und defensives Investment gedacht ist.

Ich selbst bin schon einige Jahre am Aktienmarkt tätig und bin an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr darauf achte, ob eine Aktie steigt, sondern wie stark sie steigt.

Meine Erfahrung zeigt, dass es Selbstläufer gibt, in die man investiert und die dein Geld vermehren. Doch es ist ein Unterschied, ob man 10 Aktien besitzt, die jeweils 10 Prozent im Jahr Rendite erwirtschaften oder 10 Aktien, die 50 Prozent Rendite machen. Trotzdem bin ich ein Mensch, der nicht sehr viel beim Kauf einer Aktie nachdenkt. Denn man kann sich das Zahlenwerk anschauen, das Unternehmen analysieren bis ins kleinste Detail und dennoch damit auf die Nase fallen. Ich denke, dass im Großen und Ganzen wichtig ist, wie man das Geschäftsmodell einschätzt und einen guten Riecher hat, was in der Zukunft funktioniert und was nicht.

Ich selbst habe die besten Geschäfte mit Aktien gemacht, dessen Produkte ich selbst nutze und habe sie nicht mal ausgiebig analysiert. Mittlerweile führe ich eine Analyse durch, verglichen mit anderen Anlegern fällt diese jedoch sehr klein und nach dem KISS-Prinzip (keep it simple and stupid).

Wenn ich mir Beispielweise Analysen zu Unternehmen und Aktien anschaue, die mich selbst interessieren, fällt mir sehr oft auf, dass viele YouTuber mit Fachbegriffen um sich werfen, als seien es Süßigkeiten an Karneval. Sollte das bei einem Video oder einem Artikel der Fall sein, befasse ich mich nicht länger mit dieser Analyse. Für mich persönlich ist es wichtig, dass ich das Unternehmen verstehe oder jemanden finde, der mir das Unternehmen leicht und verständlich erklärt.

Quelle: Etsy

Den ersten Tipp, den ich deshalb geben kann, ist: Investiere nur in ein Unternehmen, was du selbst verstehst, nutzt oder jeder Idiot führen kann. Etsy ist leicht verständlich, auch deshalb habe ich mich für den Kauf von ein paar Etsy Aktien entschieden. Der zweite Tipp: Emotionen aus! Kauf ein Unternehmen und sei darauf vorbereitet, dass es am nächsten Tag um 20 Prozent fallen kann. Kauf ein Unternehmen nicht, weil es in wenigen Wochen mehr wert sein könnte, sondern kaufe mit dem Hintergedanken, wie viel es in 5-10 Jahren wert ist.

Ein weiterer Faktor, der für mich interessant, jedoch nicht zwangsläufig nötig ist, sind die Dividenden, die das Unternehmen ausschüttet. Meistens zahlen Unternehmen, die sich im Wachstum befinden, keine Dividenden, weil sie sämtliche Gelder in ihr eigenes Wachstum investieren. Zahlt ein Unternehmen beispielsweise Millionen an Dividenden an seine Aktionäre aus, sind das große Geldsummen, die das Unternehmen in eigene Innovationen hätte investieren können. Etsy zahlt keine Dividende, weshalb Dividendenjäger nicht auf ihre Kosten kommen.

Einer der wichtigsten Aspekte meiner Aktienanalysen ist, ob das Unternehmen Aktien zurückkauft. Grundsätzlich kauft Etsy Aktien zurück, musste den Rückkauf aber im zweiten Quartal 2020 kurzweilig pausieren, um ein neues makroökonomisches Umfeld zu etablieren. Der Aktienrückkauf sollte dann im Jahr 2020 wieder aufgenommen werden. Aktienrückkäufe finden statt, jedoch etwas inkonstant. In Anbetracht der Position von Etsy jedoch durchaus verständlich, weil Etsy das Geld benötigt, um ihre eigene Plattform auszubauen.

Risiko der Etsy Aktie

Keine Aktie ist risikofrei und auch Etsy untersteht gewissen Faktoren, die für einen Verlust sorgen können. Es ist deshalb niemals verkehrt, ein Unternehmen mit einem sog. Burggraben zu analysieren. Unternehmen mit einem Burggraben sind Unternehmen, die kaum Konkurrenz haben und auch nicht sehr schnell neue Konkurrenz bekommen können. Amazon und Google sind beispielsweise solche Konzerne.

Ich würde nicht behaupten, dass Etsy einen enormen Burggraben besitzt, aber sie haben es geschafft sich in einer Nische zu positionieren, die eben nicht mehr einfach übernommen werden kann.

Etsy hat Ebay in den Schatten gestellt und kann sich selbst gegen erwähnte Produkte von Amazon abgrenzen. Trotzdem ist das lange kein Garant für Erfolg und es ist fraglich, ob das enorme Wachstum von Etsy weitergeht wie in den letzten Jahren. Wie groß kann der Markt für Handmade-Produkte werden? Werden die Menschen wirklich umweltbewusster und setzt sich ökologischer und fairer Handel durch? Wer sich für die Etsy Aktie bzw. das Unternehmen interessiert, sollte unbedingt selbst einmal die Investoren-Berichte der letzten Quartale durchblättern. Dadurch lernt man das Unternehmen und die Vorzüge wie auch potenzielle Nachteile von einer anderen Seite kennen.

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