Diskrepanz zwischen Wissenschaft und Politik – mit verheerenden Konsequenzen

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Die Corona-Pandemie machte eines deutlich: Wissenschaft und Politik arbeiten in unserer Gesellschaft nicht gut genug zusammen. Entscheidungen, die in der Politik getroffen werden, ohne moderne, wissenschaftliche Daten ausreichend miteinzubeziehen, haben weitreichende Folgen. Aufgezeigt wird dies anhand der zwei großen Krisen unserer Zeit.

Die Klimakrise

In den letzten Jahrzehnten stieg der Wert der CO2-Emissionen rasant an. Diese Emissionen setzen sich zu ca. 45 Prozent in der Atmosphäre ab. Auch in Biosphäre und Ozeanen steigt der CO2-Gehalt. Der angestiegene Kohlenstoffdioxid-Gehalt, ausgelöst durch die industrielle Revolution, wird durch den Treibhauseffekt zum Problem, da die Atmosphäre der Erde zerstört wird. Der Mond, der keine Atmosphäre besitzt, wird tagsüber durch Sonnenlicht auf über 100 Grad aufgeheizt. Nachts dagegen herrschen auf dem Mond ca. – 160°C.

Wird die Atmosphäre der Erde weiterhin zerstört, hat das fatale Folgen: Der Temperaturunterschied der Erde zwischen Tag und Nacht würde sich deutlich vergrößern. Eine wärmere Erde und häufigere Hitzeperioden könnten sich langfristig auf die Gesundheit von Tier und Mensch auswirken. Beispielsweise könnten sich Mücken aus Afrika, die lebensgefährliche Krankheiten verbreiten, in Europa ansiedeln. Hohe Temperaturen sorgen zusätzlich für Tote, da sich die gestiegenen Temperaturen auf das Herz-Kreislauf-System auswirken, was besonders Kinder und ältere Menschen betreffen würde.

Der Eingriff des Menschen in die Natur macht sich auch in anderen Bereichen bemerkbar. Die Anzahl der gefährdeten Arten auf der Roten Liste steigt zunehmend. Während im Jahr 2009 noch 6.143 Wirbeltiere auf der Roten Liste vertreten waren, waren es im Jahr 2021 bereits 10.119 Arten. Bei den Pflanzen lässt sich derselbe Trend erkennen: Im selben Zeitraum steigen die bedrohten Arten von 8.500 auf 22.503. Verantwortlich dafür sind Probleme wie die Abholzung des Regenwaldes und die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes der Tiere. Die Folgen des Artensterbens sind der Verlust von Nahrungsquellen für Tiere und anschließend auch den Menschen. Langfristig gehen Quellen für Arzneimittel verloren, da auch die Pflanzen betroffen sind. Zudem drohen Ernteausfälle, die dafür sorgen, dass die Versorgung der Lebensgrundlagen auf der Erde womöglich nicht mehr garantiert werden kann.

Fehlende Handlungsbereitschaft in der Politik

In einer im Jahr 2021 durchgeführten Umfrage aus 1.208 Teilnehmern, gaben 77 Prozent an, dass sie nicht glauben, dass die Welt in den nächsten Jahrzehnten wirksam gegen den Klimawandel ankämpfen kann. Schon jetzt sind 85 Prozent der Bevölkerung vom Klimawandel betroffen.

Trotz der drastischen Fakten, werden regelmäßig Klimaziele nicht eingehalten. Amerika trat unter der Führung des ehemaligen Präsidenten Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen aus. Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien geht nur schleppend voran. Die Politik neigt dazu, sich mit den offensichtlichen Problemen zu beschäftigen, die derzeit akut eintreten. Nicht aber mit den Schwierigkeiten, die langfristig zu schwerwiegenden Folgen weltweit führen werden. Ungern wird Geld in Projekte investiert, die sich nicht umgehend positiv bemerkbar machen, das politische Handeln in der Klimakrise stockt.

Die Corona-Pandemie

Die weltweite Zahl an Todesopfern durch Corona beträgt inzwischen über 6 Millionen Menschen. Allein in den USA haben sich ca. 80 Millionen Menschen mit dem Virus angesteckt, wovon um die 980.000 Menschen der Krankheit erlagen. Ein Lichtblick war die Entdeckung der Impfungen, die den schweren Verlauf von Corona drastisch senken konnten. Eine Impfung hilft, sich selbst zu schützen und trägt auch entscheidend dazu bei, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Trotz der überzeugenden wissenschaftlichen Argumente gibt es noch immer viele Menschen, die nicht an die Wirksamkeit von Impfungen glauben oder die Krankheit als solche sogar leugnen. Begründet wird ihre Skepsis mit Verschwörungstheorien, die vermutlich durch Gerüchte und Unsicherheit entstehen. Gerade in den digitalen Zeiten lassen sich solche Theorien leicht und problemlos verbreiten. Es gibt Frauen, die daran glauben, dass die Impfung unfruchtbar macht. Andere hegen Misstrauen gegen den Staat, vermuten den Aufbau einer neuen Weltordnung oder dass die Impfung menschliche Gene verändert. Coronaleugner und Impfgegner nehmen auch Einfluss auf die Politik.

Schwierigkeiten der Politik im Umgang mit dem Virus

Virologen forderten oftmals eine Einführung einer Impfpflicht. Es ist schwierig, eine Impfpflicht einzuführen, wenn man eine mögliche Radikalisierung eben genannter Gruppen befürchten muss. Zudem halten sich Politiker mit deutlichen Forderungen zurück, wenn eine Wiederwahl dadurch gefährdet werden könnte.

Auch außerhalb der Verweigerer, hatte die Politik Schwierigkeiten, die Seuche effektiv zu bekämpfen. Gerade am Anfang wurden die Zeichen der sich ausbreitenden Krankheit ignoriert. Zu spät kam der erste Lockdown und die eintretenden Hilfsmaßnahmen. Auch die Maskenpflicht wurde spät eingeführt, anschließend gab es Probleme mit der notwendigen Versorgung. Obwohl Wissenschaftler eindringlich davor warnten, die Ruhepause des Sommers mit den fallenden Fallzahlen nicht zu nutzen, um sich auf den kommenden Herbst und die nächste Welle vorzubereiten, geschah genau dies.

Konfliktgeladene Beziehung durch unterschiedliche Zielsetzung

Es ist nicht verwunderlich, dass Politik und Wissenschaft eine angespannte Beziehung zueinander haben. Schließlich handelt es sich um zwei unabhängige Teilbereiche der Gesellschaft, die andere Arbeitsweisen und Zielsetzungen haben. Zudem orientieren sie sich an unterschiedlichen Werten, was die Interessenskonflikte weiter vergrößert.

Ziel der Wissenschaft ist die Erweiterung von neuem Wissen. Wissenschaftler sammeln Daten und analysieren diese, um Gründe zu erhalten und Prognosen zu erstellen. Anschließend können Studien erstellt werden und sie können die Funktion eines Beraters einnehmen. Die Politik dagegen lebt vom Erhalt von Macht. Das wird genutzt, um durch gezielte Maßnahmen eine Steuerungsfunktion in der Gesellschaft einzunehmen.

Es ist absolut verständlich, dass die Politik nicht alle Forderungen der Wissenschaft umsetzen kann. Deutschland ist eine Demokratie, in der andere Meinungen akzeptiert werden müssen. Oft unterschätzt wird die Tatsache, dass sich Politiker auch mit der realen, praktischen Umsetzbarkeit von Maßnahmen beschäftigen.

Trotzdem machen die Beispiele Klimawandel und Corona-Pandemie deutlich, dass die Wissenschaft ernst genommen werden muss. Gerade in Teilbereichen, in denen sich ein Großteil aller Wissenschaftler einig sind und Menschenleben betroffen sind, ist es fahrlässig, nicht auf diese zu hören. Für Politiker heißt das, nicht nur Fakten zu akzeptieren, sondern auch aktiv an der Realisierung zu arbeiten. Und zwar in einem zeitlichen Rahmen, der ethisch vertretbar ist und sich an den vorliegenden Daten orientiert. Anderenfalls könnten zunehmend mehr Menschen gefährdet werden und sich langfristige Probleme etablieren, die wir uns kaum vorstellen wollen.

Gerade die Klimakrise gefährdet nicht nur ein paar wenige Tierarten, sondern gefährdet sämtliche Lebewesen der Erde, inklusive der Menschen. Politik und Wissenschaft stehen in der Verantwortung, besser und ausführlicher zusammenzuarbeiten und Verständnis füreinander mitzubringen, um langfristige Lösungen zu finden.

 

 

Danke an adil-photos von Pixabay für das Foto.

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