Designer-Babys: Menschen dauerhaft genetisch verändern?

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Das Verfahren CRISPR/Cas9 gilt als Revolution in der Genetik. Es können gezielt Sequenzen eingefügt oder entfernt werden, was es ermöglicht, die DNA von Lebewesen dauerhaft zu verändern. Mithilfe der Methode könnten zahlreiche Krankheiten besiegt werden, aber auch Eingriffe getätigt werden, die aus gesundheitlicher Sicht nicht nötig wären. Deshalb kommen ethische Fragen auf: Sollen Eltern bestimmen dürfen, wie ihr Kind aussehen wird?

Was ist bisher möglich?

Im Jahr 2018 sorgte ein chinesischer Wissenschaftler für Schlagzeilen: Er behauptete, er habe zwei neugeborene Mädchen gentechnisch so manipuliert, dass sie ihr Leben lang gegen die Krankheit Aids immun seien. Dieser Vorfall entfachte eine Debatte unter Wissenschaftlern. Für sein Experiment musste He Jiankiu vor allem Kritik einstecken. Auch der russische Forscher Denis Rebrikov kam in die Schlagzeilen, weil er mithilfe der Genschere verhindern wollte, dass das Gen für Taubheit weitervererbt wird.

Nach dem Aufkommen der wissenschaftlichen Experimente riefen führende Forscher in dem Bereich dazu auf, die Methode erst einmal nicht zu nutzen. Man solle der ethischen Debatte Zeit geben, bis ein genauer Rahmen der Machbarkeit und Legalisierung bestehe. Auch der deutsche Ethikrat hat vor der Anwendung an menschlichen Embryonen gewarnt. Peter Dabrock, der damalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, betonte, dass der Einsatz an menschlichen Embryonen beim derzeitigen Stand der Technik in keinster Weise zu verantworten sei, erst recht nicht ohne das Vorhandensein dringender medizinischer Gründe.

Medizinischer Nutzen des Verfahrens

Viele kritische Stimmen warnen davor, dass der Mensch nicht Gott spielen dürfe und der Schöpfung ins Handwerk pfuschen könne. Diese Meinung vertritt auch Jens Spahn, damaliger Gesundheitsminister. Dieses Argument allein ist allerdings in der heutigen Zeit nicht schlüssig. Der Mensch greift ständig ein, auch ein Herzschrittmacher, die Antibabypille oder künstliche Gelenke sind nicht natürlich und vom Menschen hergestellt. Seit es Forschung gibt, arbeiten Menschen konstant daran, Lösungen für vorhandene Probleme zu finden, wobei gerade in medizinischen Bereichen in die Natur eingegriffen wird.

Es gibt sinnvolle Bereiche, in denen eine gezielte Veränderung der DNA positive Aspekte hätte. Ein aktives Eingreifen, um ungeborene Kinder vorab vor der Entwicklung vor ernsten Krankheiten zu schützen, ist nachvollziehbar. Die Geschichte hat bereits gezeigt, dass neue medizinische Verfahren immer Debatten auslösen. Im Jahr 1967 fand beispielsweise die erste Herztransplantation statt, die heftig diskutiert wurde. Mit der Zeit erweitert sich das Wissen und technische Möglichkeiten werden verbessert, wodurch innovative Verfahren breit eingesetzt werden können, mit zunehmend geringeren Risiken.

Gezielte Veränderung von äußerlichen Eigenschaften

Deutlich kontroverser ist die Frage, ob es Eltern erlaubt sein sollte, zu bestimmen, wie ihre Kinder einmal aussehen werden. So könnten Eltern beispielsweise die Augenfarbe auswählen, die Intelligenz steigern oder die sportlichen Fähigkeiten verbessern. Beim derzeitigen Stand der Forschung ist es unklar, ob und wann dies einmal möglich wäre. Trotzdem sollte die Debatte vorher stattfinden, um einen angemessenen juristischen Rahmen zu vereinbaren.

Generell darf nicht vergessen werden, dass Schönheitsideale temporär sind. Während in den 50er Jahren vor allem Kurven modern waren, wollten die Frauen der 90er Jahre schlank und knochig wirken. Das Schönheitsideal wird von der Gesellschaft vorgegeben, ändert sich jedes Jahrzehnt und kann nicht vorhergesehen werden. Es ist nicht möglich, ein Kind so zu verändern, dass es in jedem Jahrzehnt dem aktuellen Ideal entspricht.

Gerade mit dem Aufkommen der sozialen Medien nahmen die Schönheits-OPs weltweit zu. Wer sich einer Schönheits-OP unterzieht, kann das aus eigenem Antrieb entscheiden. Designer-Babys dagegen könnten ihre Wahl nicht selbst treffen, ihre Eltern würden entscheiden. Im Gegensatz zu OPs, würden Behandlungen mit CRISPR die Keimbahn betreffen, wodurch die DNA dauerhaft verändert wird und Eigenschaften auch weitervererbt werden könnten. Entscheidungen von Eltern aufgrund temporärer Präferenzen könnten weitreichende Folgen auf zahlreiche Generationen haben.

Fraglich sind die psychologischen Auswirkungen, die man durch Eingriffe auslösen könnte. Menschen, die nicht von ihren Eltern verändert wurden, könnten noch stärker das Gefühl bekommen, dass mit ihrem Aussehen etwas nicht stimmt. Gerade in der digitalen Welt, die durch konstante Konfrontation mit idealen Körpern oberflächlicher geworden ist, ist es fragwürdig, ob dieser Trend weiterhin gesteigert werden sollte.

Erstrebenswerter wären ein gesellschaftliches Umdenken und der Trend hin zur Natürlichkeit. Genetische Verfahren sollten erforscht und angewendet werden, um ernsthafte Probleme wie schwere Krankheiten zu lösen, um das Leben der Menschen dauerhaft angenehmer und leichter zu machen.

 

 

Danke an kkolosov von Pixabay für das Foto.

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