“Tragedy and Hope” von Carrol Quigley ist in vielerlei Hinsicht eine unbekömmliche Lektüre. Der einstige Professor der Georgetown University schrieb das 1000 Seiten umfassende Buch nicht für die breite Öffentlichkeit, sondern für Akademiker und Gelehrte seiner Zunft. Es handelt sich nicht um ein “Pop History Book”, das in der lokalen Buchhandlung auf dem Regal auf Euch wartet und das Ihr gemütlich an einem Samstagnachmittag durchlest. Für die englische Version braucht es mehr als einfaches Schulenglisch. Das Buch wurde allerdings auch ins Deutsche übersetzt und trägt den Titel “Katastrophe und Hoffnung”.

Hinzu kommt, dass das Buch auch als unangenehme Warnung an den Westen und seine Regierungen verstanden werden kann, der wie andere Gesellschaften und Kulturen ebenfalls irgendwann zerfallen könnte. Als Zivilisationstheoretiker beschäftigte sich der ehemalige Professor von Bill Clinton ausgiebig mit dem Zusammenbruch von Zivilisationen. Der in 1977 verstorbene Historiker war eine echte Koryphäe auf seinem Gebiet. Darauf wollte unter anderem auch das US-Verteidigungsministerium nicht verzichten, für das er in beratender Tätigkeit aktiv war.  

Das Buch deckt den Zeitraum von etwa 1880 bis 1963 ab und ist interdisziplinär angelegt. Der Schwerpunkt liegt auf den wirtschaftlichen Problemen, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte, und den Auswirkungen, die diese auf die nachfolgenden Ereignisse hatten.

Die Leser, soviel sei versichert, werden viel entdecken, was sie vorher nicht wussten. Insbesondere über den Einfluss Großbritanniens in europäischen und Weltangelegenheiten. Einem ganzen Kapitel widmet sich Quigley außerdem unserer deutschen Geschichte. Er attestiert dem deutschen Volk, seit seinen Anfängen in den germanischen Stämmen ein Verlangen nach totalitären Strukturen, damit die Deutschen “nicht selbst Entscheidungen treffen müssen”.

Gerade in diesen Tagen, in denen einige das Ende des Abendlandes verkünden oder andere apokalyptische Szenarien entwerfen, ist Tragedy and Hope ein sachlicher und fundierter Blick hinter die Vorhänge der Weltpolitik.

Bildquelle: Wikipedia Commons/dariovero_

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